Reise | In Kuba

Erst ein Hype, weil durch die Lockerungen von Sanktionen nun jederzeit „die Amerikaner einfallen“ könnten. Kuba werde sich rasend schnell verändern, war der Tenor. Ich bin mir nach Trumps Wahl nicht mehr so sicher, aber die Reise hatten wir bereits vorher gebucht und alles selbst organisiert. Ein paar der schönsten Spots habe ich in meinem Reiseblog auf findpenguins.com nebst Fotos zusammengestellt.

Warum Kuba?

Ich wollte vor allem dorthin, weil ich noch nie in der Karibik war. Und Kuba, das stellt man sich groß und herrschaftlich vor: Alte Kolonialbauten, der Geruch und Esprit großer Zeiten. Stellenweise findet man das auch noch. Und man ahnt durch all die Spruchtafeln und Monumente, dass hier mal etwas historisch einzigartiges passiert ist. Gerade heute habe ich auf dem Rückflug einen kurzen, aber sehr treffenden Text gelesen. Es ging um das Karikatur Museum nahe Havanna. Wo „der Feind“ Amerika karikiert wird, aber – so der Autor -, kaum das zum Teil sehr ärmliche und wirklich absurde Dasein vieler Kubaner.

Wie es war

Auch wenn ich wusste, dass dort natürlich lange nicht die europäischen „Standards“ (ein schlimmes Wort, aber gerade fällt mir kein passenderes ein) herrschen, hätte ich nicht mit diesem zum Teil wirklich heruntergekommenen Anblick gerechnet. Mädchen, die in schicken Schuluniformen aus dem Unterricht kommen und in ihrem Zuhause, einem Schuppen ohne Fenster verschwinden. Häuser, Autos, die schon seit 50 Jahren funktionieren müssen, immer und immer wieder repariert, ausgebessert werden, weil man sich eben nichts neues leisten kann. Unser am meisten benutzter Ausruf: „Ein Waaahnsinn!“

Die Kubaner selbst stören sich nicht viel daran. Selbst über den Hurrican in Baracoa konnten viele schmunzeln und etwas positives finden. Es sei einfach eine andere Mentalität, sagte uns ein Guide. Der Kubaner brauche nicht unbedingt ein tolles Haus, solange er nur vom Staat in Sachen Gesundheit und Bildung abgesichert sei. Und angesichts der wirklich geringen Kriminalität, glaube ich das sogar zum großen Teil: Ich konnte abends allein ungehindert draußen rumlaufen, Geld abheben, ohne dass etwas Unangenehmes passiert ist. Unangenehm war nur, dass man als Tourist sehr belagert wird. Eine Französin meinte dazu treffend, sie hätte sich gefühlt wie ein Geldschein auf zwei Beinen. An dieser Stelle siegt der Kapitalismus dann doch, denn die Kubaner, die sich durch Tourismus etwas dazu verdienen, denen geht es meist etwas besser als allen anderen (steht ebenfalls in dem Artikel). Da muss man sich als Tourist ein dickes Fell zulegen. Mir ist das zumindest in Santiago de Kuba nicht gelungen, wo wir schon bei unserer Ankunft von rund zehn Taxifahrern belagert wurden, die alle auf uns einredeten. In der Stadt ging es fast so penetrant weiter – ich habe dann einfach einen Hoteltag eingelegt – auch schön!

Fazit

Die Reise, das Land… abenteuerlich! Ganz anders, ein anderes System, das bisher andere Werte vermittelt hat, die zu bröckeln beginnen – das ist mein Gefühl. Ob es wirklich so schnell gehen wird, weiß ich nicht. Genau so wenig würde ich aber dem Hype zustimmen: Man muss nicht unbedingt nach Kuba. Aber mich selbst hat es um einen Blickwinkel reicher gemacht.

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