Gegenanschreiben | Teil 3: Die FAZ als BILD*

Gegenanschreiben. Auch im Social Web.

Womit das SW seinen Namen verdient hat, ist mir unklar, denn es hagelt dort Hasstiraden und auch Populismus-Verleugnung ist an der Tagesordnung. Durchdrungen alles von wahnsinnigen Ansichten – und das nicht nur, weil Trump gleich zwei Facebook-Accounts betreibt (Donald J. Trump und President Donald J. Trump) plus Twitter, nein, auch vermeintlich seriöse Blätter wie die FAZ tragen dazu bei. So eine Darstellung der FAZ zu Martin Schulz‘ Auftritt bei Anne Will, in dem er mit AfD und Trump verglichen wird, darunter zuhauf Kommentare, bei denen ich ein sehr genaues Bild vor Augen habe, wen dieser User gewählt hätte, wäre er Amerikaner und morgen Wahl.

Ich kann so etwas nicht mehr lesen, ohne dass es mir in den Fingerspitzen kribbelt. Also schreibe ich gegenan. Natürlich weiß ich, dass ich eine von vielen bin, die dort in irgendeiner Weise ihre Kommentare in eine unfassbar weite Flut von noch mehr Kommentaren zu Wasser lassen. Und dass man vielen Menschen, die glauben, dass sie mit ihrem Wahnsinn Recht haben, nicht mit kleinen popeligen und dann meist auch relativ sachlichen und fundierten Kommentaren umstimmen kann. Aber zum einen habe ich ihnen etwas entgegengesetzt und zum anderen meine ich an den Likes (ach, dieses triviale Zeitalter) ablesen zu können, dass jemand meinen Text gelesen hat. Und mir zustimmt. Das kann hin und wieder auch reichen.

Link zum Artikel: FAZ über Schulz bei Will

Ich habe mich gefragt, wie eine vermeintlich renommierte Zeitung wie die FAZ einen solchen Artikel schreiben (lassen) und schließlich veröffentlichen kann. Selbst in der Darstellung polemisch und verurteilend, wird genau das an einem anderen angeprangert. Ist das ein Zeichen unserer Zeit? Dass wir alle narzisstisch veranlagt sind? Dass wir denken, was wir dürfen, darf deshalb noch lange der andere nicht? Oder wissen selbst so Medien wie die FAZ nicht mehr, was Populismus und Polemik jeweils bedeuten? Zumindest dort muss ich als Leser/User doch davon ausgehen können, dass die Schreiber der FAZ Bescheid wissen, sich auskennen mit dem, was sie in Welt tragen. Auf derart kritische Kommentare wird mit einem Verweis auf Ethik-Kodex des DFJV geprahlt, dem man ja angehöre. Ist die Darstellung der FAZ ethisch korrekt? Und ist es richtig, dass, wie die FAZ in einem weiteren Kommentar auf Facebook schreibt, Medien dazu da seien, ihre Meinungen zu äußern, um der Bevölkerung eine möglichst vielfältige Sichtweise auf die Welt zu eröffnen?

Mein Kommentar dazu:

Zum Meinungsbild trägt man nicht bei, in dem man jemanden derart demontiert, sondern indem man den Bürger/Leser umfangreich INFORMIERT, damit dieser sich anschließend selbst seine Meinung bildet. Da haben Sie sehr grundlegende Richtlinien von Journalismus komplett falsch verstanden oder (in diesen Zeiten gar nicht so unüblich) sich so zurecht gedreht und dargestellt, wie es für Sie gerade passt. Außerdem sollte man bei einem vermeintlich seriösem Blatt wie dem Ihren doch meinen, dass Sie in der Lage sind, Begriffe wie Populismus ebenfalls auf dieser Grundlage einzuordnen und darzustellen. Leider komplett durchgefallen und was diesen Beitrag betrifft auf Niveau der Bild-Zeitung.

Wenn ich Journalist bei einer Tageszeitung bin, habe ich einigermaßen objektiv zu schreiben. Fakten zu sammeln und sie im Bezug auf Politik und Meinungsbildung gegeneinander abzuwägen. Das ist in diesem Artikel nicht geschehen, hierin wird auf sehr persönliche und zum Teil verletzende Weise eine Meinung propagiert. Und ja, das letzte Wort im vorherigen Satz habe ich sehr bewusst gewählt.

Einen Gedanken noch:

Trump hat zwar die Ängste der Menschen wahrgenommen,

aber in eine volksverhetzende Richtung gedreht und entsprechende „Lösungsansätze“ formuliert, die letztlich ausschließlich ihm selbst und seinem Machtanspruch dienen. Schon während des Wahlkampfes gab es dazu u. a. auch bei Anne Will viele Debatten, bei denen immer wieder eine Forderung laut wurde: Die Ängste der Menschen ernst zu nehmen, ihnen ABER eine andere Lösung anzubieten. Eine, die uns alle zusammenbringt und keinen ausschließt. Und wenn ich das richtig verstanden habe, ist genau das der Ansatz, den ich bei Herrn Schulz heraushöre. Und den niemand, und hört er auch noch so genau hin, bei irgendeinem AfD-Mitglied oder gar bei Trump selbst wird heraushören können.

*Warum ich dies schreibe, erklärt sich in den Texten selbst. Es ist meine eigene Meinung und ich werde nicht für das Aufschreiben dieser bezahlt oder in etwaiger Weise beeinflusst. Nach Rücksprache stehen diese Texte für einen Abdruck jedoch gerne zur Verfügung. Kontakt über Kontakt, s. u.