Gegenanschreiben | Teil 2: Angst und Einfachheit*

Ich mache das, was ich am besten kann: Schreiben. Gegenanschreiben. Meine Meinung, meine Ängste äußern. Nicht mehr dasitzen und durch die Stille dulden, dass Parteien wie NPD, AfD und Typen wie Trump sich weiter formieren und durchsetzen.

Schreibaufstand. Jetzt.

Ich habe Angst. Vor allem sind das Zukunftsängste. Das hat etwas mit der Wirtschaft zu tun, mit der Bankenkrise, mit der Tatsache, dass die Höhe der Rente bei meiner Generation gänzlich ungewiss ist – dazu bin ich auch noch Freiberufler und das in einem Bereich, der nicht unbedingt mit Geld um sich schmeißt. Und ich habe Angst vor größeren Menschenansammlungen. Das hat etwas mit mir selbst, aber auch den Anschlägen zu tun. Ängste, die sich entwickeln, je mehr man sich mit dieser Welt beschäftigt. Trotzdem würde ich nicht im Traum daran denken, jemanden wie Trump zu wählen. Ich würde nicht zulassen, dass für die Anschläge Einzelner ganze Bevölkerungsgruppen verantwortlich gemacht werden. Oder dass jemand aufgrund meiner Angst, mich selbst am Ende nicht gut genug versorgen zu können, in noch größerer Armut und Furcht leben muss, als ich mir das je vorstellen könnte – und ich würde mich sehr glücklich schätzen, wenn ich das bis zu meinem Lebensende auch nicht mehr müsste. Ganz ehrlich.

Wenn die unverhältnismäßige Angst hochkommt,

sage ich mir, dass es mir sehr gut geht. Weil ich am richtigen Ort geboren bin. An dem es über Jahrzehnte hinweg unmöglich schien, dass „so einer wie Trump“ an die Regierung kommen kann und dazu so viel Macht hat, ein solches Einreiseverbot durch eine einzige Unterschrift durchzusetzen. Mittlerweile ist auch das gar nicht mal mehr so unmöglich, zumindest möchte ich nicht noch einmal den Fehler machen, genau das zu glauben, so wie ich diesen beim Brexit und der Präsidentenwahl getan und gedacht habe, das könne nicht passieren, wäre ja Wahnsinn. Aber manchmal ist es eben ganz einfach: Gerade haben wir die erste fest&flauschig-Folge nach der Winterpause gehört. War es Schulz oder Böhmermann, der sagte: jemand, der wahnsinnig aussieht und wahnsinnige Dinge sagt und fordert ist oft eben genau das: Ein Wahnsinniger! Und natürlich versucht Menschen wie du und ich im ersten Moment, diese Tatsache zu verdrängen oder schön zu reden, weil man es sich eben einfach nicht vorstellen kann, dass der das ernst meint, was er da gerade sagt. Weil es doch einfach wahnsinnig und irre und komplett fernab ist. Ja, genau das. Genau so einer ist der Trump. Und jetzt müssen wir hinnehmen, dass ein Irrer Präsident der USA ist und es noch fast vier Jahre bleibt, wenn nichts passiert. Wenn wir nicht gegen an gehen und etwas tun.

*Warum ich dies schreibe, erklärt sich in den Texten selbst. Es ist meine eigene Meinung und ich werde nicht für das Aufschreiben dieser bezahlt oder in etwaiger Weise beeinflusst. Nach Rücksprache stehen diese Texte für einen Abdruck jedoch gerne zur Verfügung. Kontakt über Kontakt, s. u.